Die Geschichte der Kammweg

      Am 25. März 1878 wurde in Tetschen (Děčín) die erste Touristenorganisation in den böhmischen Ländern gegründet – der Gebirgsverein für die Böhmische Schweiz. Dank Gustav Adolf Ressler, der die Gründung dieses Gebirgsvereins initiierte, und August Weyeman, der im Erzgebirge tätig war, verbreitete sich die Idee der organisierten Touristik im nördlichen Grenzgebiet schnell. Im Jahre 1882 entstand der Verband der Touristenvereine des Erz- und Mittelgebirges, der später in Nordwest Böhmischer Gebirgsvereins Verband umbenannt wurde . Ein Jahr später wurde der Mittelgebirgsverein Aussig gegründet, dersich später Gebirgsverein Aussig nannte. Zwei Jahre später schlossen sich die Vereine aus dem Schluckenauer Zipfel (Šluknovský výběžek) zum Gebirgsverein für das nördlichste Böhmen zusammen. Die Markierung der grundlegenden Wanderwege war in der Regel die erste Aufgabe, die die Vereine übernahmen.

      Aus der langen Liste der zu markierenden Routen stechen aufgrund ihrer Beschaffenheit bestimmte Fernwanderwege hervor, die neben ihrer praktischen Bedeutung auch eine wichtige integrative Dimension hatten. Das ehrgeizigste Projekt der deutschen Wandervereine in Böhmen war der Kammweg. Die Markierung des Kammwegs vom Jeschken zum Rosenberg (Ještěd bis Růžovský vrch) wurde am 13. August 1901 vom Wanderführer des Gebirgsvereins für das nördlichste Böhmen Josef Mohr vorgeschlagen. Dazu wurden vom Gebirgsverein für das nördlichste Böhmen auch Delegierte der drei benachbarten Gebirgsvereine (Deutscher Gebirgsverein für das Jeschken- und Isergebirge, Gebirgsverein für die Böhmische Schweiz, Verband der Gebirgsvereine Lusatia) eingeladen. Bei der Sitzung der oben genannten Vereine am 13. April 1902 in Warnsdorf wurde die Markierung dieses Kammweges beschlossen. Auf Vorschlag von August Otto aus Warnsdorf wurde für die etwa 60 km lange Strecke ein "überregionales" Piktogramm ausgewählt, ähnlich wie bei anderen Fernwanderwegen, die die Arbeitsgebiete mehrerer Touristenorganisationen mit unterschiedlichen Markierungspraktiken durchqueren. Es handelte sich um einen blauen vierzackigen Kamm auf weißem Hintergrund, der die homonyme Bedeutung des deutschen Wortes "Kamm" nutzte. Die vier Zacken des Kamms sollten die vier Gründungsorganisationen symbolisieren.

     Die Markierung des Weges erfolgte in den Jahren 1902–1903. Im Jahr 1903 fanden gleichzeitig Beratungen des Deutschen Gebirgsvereins für das Jeschken- und Isergebirge, des Österreichischen Riesengebirgsvereins und des Riesengebirgsvereins aus Schlesien statt. Bei einem Treffen am 16. September 1903 in Wurzelsdorf (Kořenov) wurde beschlossen, den Kammweg vom Jeschken (Ještěd) zur Schneekoppe zu verlängern. Dieser Abschnitt wurde in den Jahren 1904–1905 realisiert. Im Jahr 1904 beschloss auch der Deutsche Gebirgsverein für Gablonz (Jablonec nad Nisou) und Umgebung, seinen Abzweig vom Jeschken zum Aussichtsturm Stephanshöhe (Štěpánka) anzuschließen.

     Auf der Sitzung des Verbandes der Gebirgsvereine Nordwestböhmens am 28. Februar 1904 schlug Josef Brechensbauer, Mitglied des Zentralkomitees und Geschäftsführer des Teplitzer Gebirgsvereins, die Markierung eines etwa 250 km langen Abschnitts von Bodenbach (Podmokly) zum Hainberg bei Asch (Háj u Aše) vor, was in den Jahren 1904 –1906 trotz des Widerstands der Großgrundbesitzer von Thun umgesetzt wurde.An der Markierung des langen Erzgebirgskammes waren sowohl Mitgliedsorganisationen des Verbandes als auch einige andere Vereine beteiligt.

Der Kammweg, der somit von der Schneekoppe nach Asch (Aš) führte und an einigen Stellen die österreichisch-deutsche Grenze querte, wurde zu einem festen Bindeglied des Wanderns im böhmischen Grenzgebiet. Ab Juli 1920 begannen Verhandlungen zwischen dem Hauptverband deutscher Gebirgs- und Wandervereine in der Tschechoslowakischen Republik und dem Klub československých turistů – KČST (Klub tschechoslowakischer Touristen) über die Gestaltung einer einheitlichen Markierung. Bei der ersten Sitzung am 14. Juli 1920 stimmten auch die Vertreter des KČST dem Vorschlag des Deutschen Riesengebirgsvereins zu, den Kammweg weiterhin mit dem gleichen Symbol zu kennzeichnen. Obwohl es sich um eine Hauptroute handelte, die nach den Gepflogenheiten des KČST rot markiert werden sollte, berücksichtigten sie, dass Teile davon durch Deutschland führten.

     Ende 1921 schlug die Sektion Weidenau (Vidnava) des Mährisch-Schlesischen Sudetengebirgsvereins vor, den Kammweg von Braunau (Broumov) bis nach Jägerndorf (Krnov) zu verlängern, was 1923 durchgeführt wurde. Im Jahr 1926 vollendete der Deutsche Gebirgsverein für das Adlergebirge den Abschnitt dieser Kammwanderung auf seinem Gebiet, sodass die weißen Blechschilder mit blauem Kamm nun Wanderer von Jägerndorf bis nach Asch führten. Von Asch nach Pfraumberg (Přimda) markierte der DAV Eger und Egerland 1932 einen 120 km langen Abschnitt des Kammwegs. Von Pfraumberg nach Hohenfurth (Vyšší Brod) markierte der Deutsche Böhmerwaldbund einen weiteren Abschnitt, der in seinem 51. Jahresbericht vom August 1935 angibt, dass die Route des Kammwegs fast fertiggestellt sei.

      Der Kammweg erreichte zusammen mit der Verbindung zum Rennsteig – einem Kammweg im Thüringer Wald – einschließlich verschiedener Abzweigungen zu bedeutenden Zielen eine Gesamtlänge von fast 2.000 km und war damit zu seiner Zeit der längste Wanderweg Europas.

     Der Kammweg trug wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung der strukturschwachen Berggebiete und zur Entstehung einer für Nordböhmen typischen Kultur der Wiederbelebung bei. Mit einer Unterbrechung in den Jahren 1914–1918 wurde der Kammweg bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs rege genutzt. Am Ende des Krieges kam seine Nutzung fast vollständig zum Erliegen. Der große Bevölkerungsaustausch im ehemaligen Sudetenland führte dazu, dass der Kammweg immer mehr in Vergessenheit geriet. Die neuen Bewohner der Grenzgebiete, die aus dem Osten und dem Landesinneren zugewandert waren, hatten ganz andere Probleme als die Erhaltung des kulturellen Erbes der vertriebenen Deutschen. Der Kammweg wurde aufgegeben und die Markierungen entfernt. Es blieb nichts übrig, was an seine Initiatoren erinnerte.

Die Geschichte stammt von der Website des Vereins Krušnohorská hřebenovka:

https://krusnohorskahrebenovka.cz/